Claus Hesseling, Collage

Journalism disrupt – „Wir stehen noch am Anfang des digitalen Umbruchs“

Journalistisches Arbeiten ändert sich und trifft auf „Buzzwords“ wie Blockchain, KI oder „Metaverse“ – ein Interview mit unserem Trainer Claus Hesseling über die Auswirkungen der Pandemie und welchen Entwicklungen Entscheider*innen in Medienunternehmen sich aktuell gegenübersehen.

Die Corona-Zeit hat die Arbeitsweisen von vielen Journalist*innen verändert. Sie arbeiten u.a. als Datenjournalist. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Ihre Arbeit?

Claus Hesseling: Corona hat gezeigt, was in Medienunternehmen – die viele für träge halten – möglich ist: Flexibles und schnelles Handeln, Umstieg auf Remote-Arbeit und digitale Plattformen zur Zusammenarbeit. Dazu: Viele neue Formen des journalistischen Outputs und neue Produkte. Das sind die positiven Seiten, aber gleichzeitig gab es vor allem im Lockdown Mehrfachbelastung und Überarbeitung. Die Pandemie hat gezeigt, was möglich ist, und wo die Grenzen sind.

Welche Technologien sind es, die den Journalismus in Zukunft verändern werden?

Claus Hesseling: Wir stehen noch am Anfang des digitalen Umbruchs. Bei der Entwicklung der kommenden Jahre werden neue Technologien, wie zum Beispiel 5G eine Rolle spielen, aber auch ein neuer Fokus zum Beispiel auf Daten – für die Berichterstattung aber auch für die eigene Erfolgskontrolle. Es gibt viele Experimente mit Künstlicher Intelligenz (AI) beziehungsweise Machine Learning, um Journalismus besser zu machen. Und derzeit wird viel über das web3 und Blockchain-Technologie, aber auch über VR und „Metaverse“ diskutiert. Nicht alles davon geht in die richtige Richtung, aber all das kann Auswirkungen auf den Journalismus haben.

Diese Themen sind sehr unterschiedlich und komplex. Was sollte und kann man überhaupt darüber wissen – oder werden wir alle AI-Expert*innen?

Claus Hesseling: Das Problem ist, dass in der Branche viele „Buzzwords“ die Runde machen. So Begriffe wie Machine Learning oder Blockchain werden gar nicht mehr erklärt. Aber nur wer ein wenig an der Oberfläche dieser Begriffe kratzt, versteht, was sich dahinter verbirgt. Welche Möglichkeiten und vor allem auch welche Limits. Es geht nicht darum, dass wir alle Expertinnen oder Experten für das alles werden, wir wollen eine gewisse Tiefe schaffen, damit Entscheiderinnen und Entscheider sich überlegen können: „Lohnt es, dass ich meine Zeit darin investiere?“

In Ihrem Seminar stellen Sie einige dieser Entwicklungen vor. Was können die Teilnehmer*innen erwarten?

Claus Hesseling: Wir schauen uns an, welche Technologien am Horizont auf uns zu kommen, und was sie für unsere Gesellschaft, die Wirtschaft und vor allem den Journalismus bedeuten. Und wir sprechen mit Kolleginnen und Kollegen in Medienhäusern, deren Job es ist, diese Entwicklungen im Blick zu haben und schauen, welche Schlüsse sie draus ziehen. Kurz: Wer mit uns hinter die Zukunfts-Buzzwörter schauen möchte, ist in dem Workshop genau richtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Claus Hesseling ist freier Journalist und Medientrainer. Als Autor und Reporter für den NDR und WDR setzt er von Hamburg aus Themen regelmäßig trimedial um. Vor allem die Themenfelder Recherche und Datenjournalismus haben es ihm angetan.

Für inhaltliche Fragen zum Kurs Journalism disrupt – wie neue Technologien unsere journalistische Arbeit verändern berät Sie gern Matthias Harder: m.harder@ard-zdf-medienakademie.de.

Autor: Sven Dütz

Matthias Harder
Fachgebiets­leitung Journalistische Kompetenzen und Volontärsausbildung
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