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Führen in Krisenzeiten – Prozess-Schärfung statt operativer Hektik

Krisenmanagement in Zeiten von Corona stellt Führungskräfte vor eine ganz neue Art von Herausforderungen: Sie müssen mitunter ungewohnte Prozesse sehr stringent steuern. Worauf es dabei ankommt, erklärt unsere Trainerin und Expertin Dr. Carola Gründler – Teil 1.

Dr. Carola Gründler arbeitet seit über 20 Jahren als Coach, Trainerin und systemische Organisationsberaterin. Für die ARD.ZDF medienakademie trainiert Sie u.a. Führungskräfte, die ein Team in die Selbstorganisation führen

An dieser Stelle gibt sie regelmäßig Tipps zu aktuellen Führungsthemen:

Teil 1: Prozess-Schärfung statt operativer Hektik

Ein Kunde erzählt: Telefone klingeln gleichzeitig. Die schon vorher ausufernde Mail-Flut hat sich in den letzten Tagen noch einmal vervielfacht. Vom Homeoffice aus kommt man in manche Video-Konferenz nicht mehr hinein, weil die mögliche maximale Teilnehmerzahl schon ausgereizt ist.

Alle im Team sind unglaublich engagiert. Aber viele sind nicht ausreichend koordiniert:

  • Es werden Mails an den großen Verteiler geschickt und jeder schickt Einzelantworten. Wieder zurück an den großen Verteiler …
  • Dann werden Dokumente zur gemeinsamen Bearbeitung in den Sharepoint gestellt. Aber noch nicht alle haben Zugriff. Also antworten Einzelne wieder per Mail. An den großen Verteiler. Irgendjemand sollte die Antworten zusammenfügen …
  • Es werden ähnliche Aufträge an mehrere Teams gegeben. Für die Abstimmung untereinander war keine Zeit …

Was im Moment oft fehlt, ist der Blick auf den Gesamtprozess. Aber dafür hat eben niemand Zeit. Weil schon die nächsten Aufträge hereinkommen …

Praxistipp

Gerade jetzt ist es nützlich, sich zumindest einmal wöchentlich Zeit zu nehmen für einen gemeinsamen Rückblick auf das Krisenmanagement der letzten Tage. Dafür braucht es nur 3 Fragen:

  • Was haben wir gut hinbekommen in der letzten Woche? (In Bezug auf unsere Abstimmung, die gegenseitige Information, die Art, wie wir Entscheidungen treffen und sie anschließend kommunizieren …)
  • Was lief nicht gut? (Und wenn hier zu viele Themen kommen, dann beschränkt man sich bei der 3. Frage auf die ein bis zwei Themen, die die größte Hebelwirkung versprechen.)
  • Worauf wollen wir insofern in der kommenden Woche achten? Was wollen wir vereinbaren? Wer erklärt sich dafür verantwortlich?

Es gibt viele Argumente dafür, sich diese Zeit nicht zu nehmen. Denn während Sie diese Zeilen lesen, sind vermutlich schon die nächsten 10 Mails hereingekommen. Und die nächste Telko steht auch an …

Und es gibt ein zentrales Argument FÜR einen solchen Rückblick: Wenn wir uns keine Zeit für eine Prozess-Schärfung nehmen, dann werden wir in der kommenden Woche weitere Zeit verlieren. Was eigentlich nicht geht. Denn wohl noch nie war es so dringend, unsere Zeit gut zu investieren.

Wie gesagt: Je nach Teamgröße braucht es 30 - 60 Minuten für eine gemeinsame Prozess-Schärfung. Damit man in der kommenden Woche die eigene Wirksamkeit spürbar erhöht. Der Montag als Start in die neue Woche bietet sich dafür an.

Autorin: Dr. Carola Gründler

Monika Gerber
Leitung Geschäftsbereich Überfachliches Angebot // Führungskräfte­seminare
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