Fokussiert arbeiten: Warum unser Gehirn an Zeitfressern festhält
Unproduktive Gewohnheiten können uns von wichtigen Aufgaben abhalten und uns auslaugen. Es ist hilfreich, solche unbewussten Muster als Stressfaktoren zu erkennen. Um sie zu eliminieren und durch bewusste Entscheidungen wieder Verantwortung zu übernehmen, sind Selbstreflexion und Training erforderlich, erklärt unser Experte Dennis Herbst.
Viele Menschen haben das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein – aber wenig zu schaffen. Woran liegt das?
Dennis Herbst: Häufig erlebe ich, dass Menschen zwar die Dinge richtig tun, aber eben nicht die richtigen Dinge. Die Ursache kann einerseits außerhalb einer betroffenen Person liegen, beispielsweise an Zielvereinbarungen, die nicht ergebnisorientiert sind. Das gilt es auf den Prüfstand zu stellen! Viel häufiger ist das Phänomen allerdings in der Arbeitsweise der Person selbst begründet. Beispielsweise kann man den ganzen Tag versuchen, von ChatGPT einen Arbeitsauftrag erledigen zu lassen, ohne dass dabei ein brauchbares Ergebnis herauskommt. Dann war man zwar viel beschäftigt, hat aber nichts geschafft. Oft wäre es das "Richtige" gewesen, die Arbeit einfach selbst zu erledigen – ggf. mit einer kleinen Formulierungshilfe von KI.
Was steckt dahinter – warum fällt es so schwer hinderliche Gewohnheiten abzulegen?
Dennis Herbst: Jeder kennt das: Am Ende eines Tages erinnern wir uns an das Erlebte und fragen uns: "Warum habe ich in dieser Situation nicht XY gemacht?" Es mag paradox klingen, aber wir verhalten uns so, weil unser Gehirn glaubt, dass es damit genau das "Richtige" tut. Das ist in dem Fall jedoch nicht mehr als die Wiederholung eines Verhaltens, das uns früher irgendwann mal nützlich war. Ein Autopilot lässt sich nur durch regelmäßiges Training umprogrammieren.
Welche inneren Veränderungen braucht es aus Ihrer Sicht und welche Tools und Strategien helfen dabei, den Fokus wieder auf das Wesentliche richten zu können?
Dennis Herbst: Neben altbewährten Methoden, wie der Eisenhower-Matrix, Pomodoro und Pareto, braucht es Selbstreflexion und Verantwortungsbewusstsein. Oft wissen wir sehr gut, was wir eigentlich zu tun haben, tun es aber nicht. Hierbei ist entscheidend, die innere Vermeidungsstrategie zu beleuchten. Was hält mich ab? Was fehlt mir? Oft hilft bereits ein Wechsel der Umgebung, um den nötigen Fokus zurückzugewinnen. Ich komme beispielsweise häufig auf die besten Lösungen, wenn ich in der Mittagspause eine Runde im Wald spazieren gehe. Das Handy lasse ich natürlich zu Hause.
Vielen Dank für das Gespräch.
Wer Vermeidungsstrategien überwinden und den eigenen Autopiloten bearbeiten will, um wieder fokussiert und eigenverantwortlich zu arbeiten, für den gibt es das Seminar:
Bei inhaltlichen Fragen hilft gern Bettina Winter: b.winter@ard-zdf-medienakademie.de.
Autor: Sven Dütz
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