Trainer Sebastian Sach

Agiles Arbeiten: „Agilität ist das neue Normal“ – Interview mit unserem Experten Sebastian Sach

Die Arbeitswelt verändert sich. Der Paradigmenwechsel von Effizienz und Sicherheit hin zu Effektivität und Agilität ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Was damit gemeint ist, darüber sprachen wir mit unserem Trainer Sebastian Sach.

Was bedeutet agiles Arbeiten und warum ist es in Unternehmen so gefragt?

Sebastian Sach: Agilität ist für mich erst einmal die Einsicht, dass die einzige Konstante in unserem Leben, ob beruflich oder privat, die Veränderung ist. Agiles Arbeiten zeichnet aus, dass es Prinzipien und Werte basiert ist, die dafür Sorge tragen, gemeinsam als Team zu guten Lösungen und zu guten Entscheidungen zu kommen. Dafür braucht es Kooperation, Kommunikation, Transparenz und die Reduktion von Komplexität, um zielorientiert in Richtung einer Vision, einem Zukunftsbild, arbeiten und dieses aktiv gestalten zu können. Dafür bilden Frameworks wie z. B Scrum einen prozessualen Rahmen der Zusammenarbeit.

Diese notwendige Anpassungsfähigkeit ist, unter anderem, eine Konsequenz auf die Phänomene unserer Zeit: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Internet of Things, Robotik etc. Die Welt wird schneller, komplexer – Schlagwort VUCA. Um darin auf Resonanz zu stoßen, müssen die Nutzer*innen, muss die Kundenorientierung, fokussiert werden. Agilität ist damit „das neue Normal“, weil sie den Blick auf Anpassungsfähigkeit und Relevanz lenkt und die Antwort auf die Frage ist: Wie begegnen wir dieser sich ständig veränderten Welt?

Sie sind als Trainer viel in den Sendern und in Unternehmen unterwegs. Was sind in dem Kontext die häufigsten Themen?

Sebastian Sach: Das sind häufig organisatorische Hemmschuhe, hinderliche Strukturen, unklare Prozesse oder eine Überlast an Aufgaben. Eventuell gab es bereits die Idee oder das Vorhaben auf eigene Faust in einem Team mit Frameworks wie Scrum oder Kanban zu arbeiten. Diese Teams kommen jetzt vielleicht nicht weiter oder stoßen in diesen Feldversuchen an Grenzen. Denn es reicht oftmals nicht, sich methodisch festzulegen und auszuprobieren. In der Begleitung und den Schulungen der Teams mit Blick auf Sinn und Nutzen ihres Tuns wird häufig deutlich, dass es einen Change, eine Organisations- und Kulturveränderung bräuchte, um mit den agilen Ansätzen zielorientiert und gesamthaft in eine Wirkung zu kommen.

Scrum ist einer dieser Ansätze. Hier im Seminar geht es aktuell um den Product Owner. Was ist dessen Job im Scrum-Prozess?

Sebastian Sach: Der Product Owner ist inhaltlich verantwortlich, er kennt die Produktvision, das, was der Kunde will, am besten und hat es zur Aufgabe, das Produkt erfolgreich zu gestalten und in diese Richtung zu entwickeln. Er sortiert die Themen, die das Scrum-Team bearbeiten soll nach Nutzen und Funktionalität und regelt die Prioritäten. Man könnte sagen, er ist der Übersetzer der Kundeninteressen und inhaltlich für den Erfolg des Produkts verantwortlich.

Bausteine – Agile Prinzipien

Ein Ausblick: Arbeiten wir bald alle agil – z.B. als Product Owner in Scrum-Flows – selbstorganisiert und in wechselnden Teams?

Sebastian Sach: Es wird nicht Scrum sein, keine einzelne Methode. Aber die Prinzipien, die dahinterstehen, die werden sich durchsetzen, das denke ich schon. Das bedeutet weg vom Silo-Denken hin zu interdisziplinären und crossfunktionalen Teams, die über den kompletten Produktlebenszyklus hinweg und unter der Maxime kontinuierlicher Verbesserung verantwortlich zusammenarbeiten. Sowie die Menschen in ihrem Sein und Tun als einen wesentlichen Aspekt zu begreifen, der für ein Gelingen notwendig ist. 

Diese Orchestrierung von Intelligenz ist relevant, um Kulturfelder zu erzeugen, in denen Innovation erst möglich wird. Und da sind wir wieder bei den Scrum- und Agilen Prinzipien: Kooperation, gemeinsame Lösungsfindung, Offenheit, Transparenz, Kommunikation. Übersetzt kann das z.B. bedeuten: weniger Vorgaben, mehr Problembeschreibung – weil erst der Fokus auf die Nutzungssituation und die Kundeninteressen die Frage ermöglicht: Wie organisieren wir Zusammenarbeit für gute Produkte, zufriedene Kunden und nachhaltigen Erfolg?

Diese inhaltliche Ausrichtung wird für Unternehmen immens wichtig werden, egal welcher Branche, ob Autobauer, Dienstleister oder Content-Haus wie die öffentlich-rechtlichen Sender.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fragen zu Seminaren und Inhouse-Lösungen, zu Scrum, agil Führen und Arbeiten sowie zur Begleitung in der agilen Transformationen, beantwortet Ihnen gern Florian Klein: f.klein@ard-zdf-medienakademie.de

Florian Klein
Fachgebiets­leitung Change-, Prozess- und Projektmanagement
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